Die Dosierung von Artemisia Annua und Artemisinin

Die Dosierung von Artemisinin – dem Wirkstoff aus dem einjährigen Beifuß – ist verwirrend. Oft wird von dem reinen Gewürz „einjähriger Beifuß“ = botanisch: Artemisia Annua gesprochen, Studien zur Wirksamkeit und Dosierung beziehen sich jedoch auf den wirksamen Bestandteil: Artemisinin. Artemisinin kommt nur zu etwa 3% in dem Gewürz vor, daher ist die Anwendung von dem Gewürz Artemisia Annua vielleicht in der Langzeitanwendung als Prophylaxe geeignet, aber als Heilmittel bei bestehender ernster Erkrankung nicht effektiv. Die Studienlage zu Artemisia Annua ist relativ jung und dünn. Da sich mit chemischen Medikamenten mehr Geld verdienen lässt als mit einem Gewürz oder einem Gewürzextrakt, werden nur wenige Studien finanziert und gemacht. Zum Glück wurde im Rahmen der Behandlung von Malaria einiges an Studien zur Sicherheit und Dosierung von Artemisia Annua durchgeführt. Jüngst musste der Ruf der medizinischen Verwendung von einjährigem Beifuß im Zusammenhang mit Corona-Viren leiden. Es wurden Unwahrheiten behauptet über die angebliche Giftigkeit oder Nervenschäden bei Überdosierung des einjährigen Beifuß, die den Anwender verunsichern sollten. Sicherlich gibt es giftige Pflanzen, jedoch gehört Artemisia Annua nicht dazu. Falls man Kräuter selber sammelt, sollte man sich natürlich gut auskennen und sicher in der Identifizierung sein.

Die Studien, die medizinische Auswirkungen von Pflanzen untersuchen, sind über einige Wochen angelegt, um die kurzzeitige, aber auch mittelfristige Wirkung auf den Organismus genau zu beobachten. Dabei werden die verschiedenen Krankheitserreger und schädlichen Zellen untersucht. Zusätzlich wird die Pflanze seit über 2.000 Jahren in der chinesischen Medizin aufgrund ihrer Fähigkeit zur Fiebersenkung beschrieben. In der TCM ist der dort sogenannte süße Beifuss auch als Qinghao or sweet wormwood bekannt. Schon lange benutzten chinesische Gelehrte der Heilkunst die Pflanze als Tee gegen Fieber und Fieberschübe.

Seit etwa 20 Jahren ist das Extrakt aus Artemisia Annua Gegenstand von Studien. Folgende Aussagen zur Dosierung von Artemisinin haben wir für Euch aufbereitet:

Zusammenfassend kann man nach dieser Studienlage sagen, dass kaum Nebenwirkungen auftreten und eine Dosis von 5 – 8 mg pro Kilogramm Körpergewicht als wirksam und sicher gilt. Entsprechend umgerechnet ergibt sich folgende Dosierungstabelle für mindestens 95 prozentiges Artemisinin-Extrakt für Tiere:

Dosierung
GewichtArtemisinin in mg
Tiere bis 3 kg5 – 15 mg pro Tag
Tiere bis 3 – 5 kg15 – 25 mg pro Tag
Tiere bis 5 – 10 kg25 – 50 mg pro Tag
Tiere bis 10 – 15 kg50 – 75 mg pro Tag
Tiere bis 15 – 20 kg75 – 100 mg pro Tag
je 5 kg mehr+ 25 mg pro Tag

Wichtig bei der Dosierung von Artemisinin

Dabei ist darauf zu achten, dass sich die oben angegebene Dosierung auf Artemisinin (das Extrakt aus Artemisia Annua) bezieht, nicht auf das Artemisia Annua Pulver oder Gewürz. Das normale einjährige Artemisia hat nur einen geringen Anteil an Artemisinin (etwa 3%), so dass auf jeden Fall ein Extrakt aus Artemisia verwendet werden muss, um bemerkbare Wirksamkeit zu erreichen. Verwendet Ihr nur z.B. ein 30 prozentiges Extrakt, muss die o.g. Menge mit 3 multipliziert werden. Es gibt auch Extrakte mit 10%, hier müsstet Ihr die Menge mit 10 multiplizieren. Außerdem hat das Gewürzextrakt eine geringe Wasserlöslichkeit, so dass man das Pulver in Fett oder Alkohol auflösen muss. Generell empfehlen wir die Gabe von Phytomedizin immer über den Tag zu verteilen, damit der Wirkstoff ständig zur Verfügung steht, um vom Körper gut aufgenommen zu werden.

Wichtig! Das richtige Artemisia geben!

Es muss auf jeden Fall Artemisia Annua gegeben werden, der einjährige Beifuß, der eben diese speziellen Wirkstoffe hat. Andere Beifuß-Arten wie Artemisia Vulgaris (der gemeine Beifuß) und Sorten wie A. abrotanum, A. absinthium, A. dracunculus, A. ludoviciana, A pontica sind Korbblütler, die diese Wirkstoffe nicht haben.

Die Rolle von Eisen im Zusammenhang mit Artemisia

Artemisa mit seinen Extrakten – vor allem das Artemisinin – wird nicht nur bei Malaria, sondern auch bei anderen parasitären Erkrankungen und bei Krebs und Krebstumoren eingesetzt. Eine besondere Rolle bei der Tumorbekämpfung mit Artemisinin spielt Eisen. Tumore binden stets viel Eisen in ihren Zellen, Krebszellen verbrauchen große Mengen an Eisen. Artemisinin reagiert mit Eisen, daher dürfen Haustiere Beifuß nicht gleichzeitig mit Eisen bzw. eisenhaltigem Futter wie Innereien, Linsen, Bohnen, Weizenkleie oder Kürbiskernen fressen. Sehr wohl benötigt der mit Krebs befallene Organismus aber Eisen aus der Nahrung. Da sich das Nahrungs-Eisen mit Hilfe von des Glykoproteins Transferrin an die Krebszellen bindet und dann in die Krebszelle transportiert, ist das Vorhandensein von Eisen gewünscht und nötig. Dies löst man am besten, indem man Eisen als Kur vor der Artemisin-Therapie gibt oder in zeitlichem Abstand von mindestens 3 Stunden, besser noch 4 Stunden verfüttert. Erst eisenhaltiges Futter oder Futterergänzung, dann nach etwa 4 Stunden das Artemisia-Präparat.

Eisen und Artemisinin getrennt geben für perfekte Reaktion

Das Artemisinin reagiert mit den an den Krebszellen befindlichen Eisenmolekülen und setzt sofort eine große Anzahl an freien Radikalen frei. Für diesen Effekt verantwortlich sind die in Artemisia vorhandenen Endoperoxidbrücken. Diese Sauerstoffbrücken brechen auf, sobald sie sich mit anderen Molekülen verbinden, in diesem Fall mit dem Eisen. Aus den zerbrochenen Sauerstoffverbindungen entstehen Sauerstoffradikale (reaktive oxygen species = ROS), die sich mit den Krebszellen verbinden und für das Sterben der Krebszellen sorgen. Zum Glück sind die Krebszellen anfälliger für diese Reaktion als normale Zellen, sonst würden diese auch Sterben. Weitere aus den Endoperoxidbrücken überbleibende Moleküle verbinden sich mit den Eiweißverbindungen aus dem Tumor und zersetzen ihn so zusätzlich. Das Eisen gilt zum Einen als „Lockstoff“ zu den Krebszellen und zum Anderen wie ein trojanisches Pferd, das zusammen mit den Artemisinin-Molekülen in die Tumoren eindringt. Artemisinin-markiertes Transferrin sucht sich selektiv Krebszellen und tötet diese ab. So könnten Artemisinin und Artemisinin-eisentragende Verbindungen gegen Krebs eingesetzt werden.

Studie: Gezielte Behandlung von Krebs mit Artemisinin und Artemisinin-markierten eisenhaltigen Verbindungen

Eisen ist also wichtig bei der Gabe von Artemisia, wenn es gegen Krebs eingesetzt werden soll. Allerdings ist immer Eisen im Körper, so dass Artemisinin auch so wirkt, allerdings mit ausreichend Eisen zusammen effektiver ist. Außerdem ist natürlich eine Eisenmangel-Anämie zu vermeiden, damit das Immunsystem stark bleibt.

Artemisia Annua Extrakt 30:1 Kapseln sind vegan und ohne Zusatzstoffe. Leider sind die Kapseln recht groß für Tiere, man kann sie aber öffnen und über das Futter geben. Bitte nicht irritieren lassen durch die Aufschrift „Nicht zum Verzehr geeignet“. Artemisa Annua wird dem „Novel food“ zugeordnet, das offiziell (noch) nicht als Lebensmittel zugelassen ist, weder für Menschen noch für Tiere.

Mehr Informationen zur Novel Food-Verordnung findet man auch in der Novel-Food Verordnung des BVL