Gastbeitrag: Curcuma und Co aus Sicht eines Tiermediziners betrachtet

Das Superfood Curcuma und Curcumin werden von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt erforscht. Die Forscher gehen im Labor der Fragestellung nach, ob eine Pflanze die Wirkung von chemischen Medikamenten bzw. Wirkstoffen wie Paracetamol, Antibiotika und Diclophenac tatsächlich ersetzen kann? Ergebnisse gibt es schon einige: Schaut man in der medizinischen wissenschaftlichen Pubmed-Wissens-Datenbank nach Studien zu Curcuma oder Kurkuma bzw. der englischen Übersetzung turmeric und den jeweiligen Extrakten Curcumin / Kurkumin, findet man Tausende von Treffern, vor allem im Zusammenhang mit Krebs.

Gesundheit durch natürliche Futterergänzung

Dem Gelbwurz – der deutsche Name der Wunderwurzel – wird heilende Wirkung bei Arthrose, Allergien, Verdauungsbeschwerden, Leberproblemen und weiteren Problemen nachgesagt. Diese Krankheiten und auch schwerwiegende Erkrankungen wie Krebs treten auch bei unseren Haustieren vermehrt auf, anscheinend adaptieren im Haus lebende Hunde und Katzen die Lebensweise der Menschen stark. Dadurch halten typische Zivilisationskrankheiten in den Praxen von Tierärzten, Tierheilpraktikern und Tierphysiotherapeuten Einzug. Also ergibt es durchaus Sinn, dass Menschen versuchen, die Erkrankungen der Tiere auch mit natürlichen Mitteln zu behandeln, ebenso wie viele Tierbesitzer sich selbst mit diesen gesunden Zusätzen kurieren. Diese Zusätze – unter dem Begriff Superfood zusammengefasst – sollen heutzutage nicht nur der Ernährung dienen, sondern auch und gleichzeitig der Gesundheit Nutzen bringen. Es wird darauf geachtet, nicht nur auf die Zusammensetzung zwischen Fetten, Proteinen und Kohlenhydraten sowie die Kalorienanzahl zu schauen sondern das Futter durch gesunde Komponenten zu ergänzen. Die Grenze zwischen Nahrung und Medizin bzw. natürlichen Arzneimitteln verschwimmt. Menschen essen nicht nur, um satt zu werden sondern auch um gesund zu bleiben, Krankheiten vorzubeugen oder zu heilen. Entgiftungskuren für Menschen und Tiere werden regelmäßig vorgenommen, um Gifte und ungesundes aus dem Organismus zu verbannen. Die tägliche Verwendung von Futterzusätzen ist inzwischen selbstverständlich und in Anbetracht der gewollten gesunden Lebensweise für Mensch und Tier auch sinnvoll.

Superfood Curcuma Kurkuma Hund

Superfoods versus Novel Foods

Natürlich gibt es bei dieser Denkweise auch Gegner, die behaupten, der ständige Konsum von pflanzlichen oder mineralischen Superfoods habe Nebenwirkungen und schade dem Körper von Mensch und Tier. Zumindest werden Stimmen laut, dass es keine Nutzen oder Zusatznutzen bringt und nur die Hersteller teurer Lebensmittelzusätze, Nahrungsergänzung oder Futterergänzung „reich“ mache. Da muss allerdings schon eine sehr hohe Menge an Ergänzungsmitteln verkauft werden, damit irgendjemand davon reich wird. Diese hohe Menge würde dann vermutlich tatsächlich schaden, folgt man aber der Dosierungsanleitung, die meist sehr vorsichtige Dosierungen vorschlägt, ist mit Schäden oder Schädlichkeit nicht zu rechnen. Mit modernen wissenschaftlichen Methoden werden in Studien auch Dosierungen, Sicherheit, Nebenwirkungen sowie möglichen Überdosierungen erforscht, um maximale Sicherheit der Extrakte aus heilenden Pflanzen zu gewährleisten. Die intensive und breit gefächerte Erforschung natürlicher Heilmittel, die im vergangenen Jahrhundert zum Teil eher als Hausmittel tituliert wurde, nimmt immer weiter Fahrt auf, auch aus dem Bedürfnis, den Mechanismus hinter der Heilsamkeit zu verstehen und als Alternative zu herkömmlichen Medikamenten unbedenklich einsetzen zu können. Dies ist ein durchaus vernünftiger Prozess, der leider aber auch Neider findet, die dann gegen sogenannte Novel Foods – neuartige Lebensmittel – wettern und den Prozess der Erforschung und neue Studien bremsen. Diese neuartigen Lebensmittel, unter die auch Futtermittel fallen, dürfen nicht „in nennenswertem Umfang“ verzehrt werden. Das bedeutet auch, dass sie nicht als Nahrungs- oder Futterergänzung angeboten werden dürfen. Dabei sind hauptsächlich entzündungshemmende Gewürze betroffen, die selbstverständlich in der Vergangenheit nicht in nennenswertem Umfang verzehrt wurden, da man dies mit Gewürzen eben nicht tut.

Curcuma Superfood gegen Krebs

Aber zurück zum Curcuma, das sich bezüglich der Novel Food Verordnung in der Schwebe befindet. Zwar würde es eigentlich zum Novelfood gehören, aber tut es zum unserem Glück und dem unserer Tiere nicht. Laut diverser Krebsstudien hat Curcuma oder genauer gesagt das Extrakt Curcumin – in amerikanischen Studien als Turmeric bezeichnet – umfassende Wirkung auf verschiedene Zelltypen, die im Rahmen einer Krebserkrankung mutiert sind. So weisen Laborergebnisse darauf hin, dass Kurkumin die erkrankten Zellen zum Zelltod – der sogenannten Apoptose – zwingen kann. Das überraschende, das einen entscheidenden Vorteil gegenüber herkömmlichen Medikamenten bringt, ist, dass der Wirkstoff Curcumin zwischen kranken und gesunden Zellen unterscheiden kann und nun kranke Zellen zum programmierten Zelltod zwingt. Aber nicht nur im Zusammenhang mit Krebs und Tumoren werden erfolgreiche Behandlungen bei Tieren durchgeführt, das Kurkumin wirkt ebenso bei allen denkbaren Entzündungen, Erkrankungen des Verdauungsapparates wie Magen, Darm, Galle und Leber sowie Atemwegserkrankungen. Auch für die Förderung der Wundheilung ist die Wurzelknolle Kurkuma ein beliebtes eingesetztes Mittel. Dabei basiert die Wirkung zumeist auf der Funktion eines Entzündungshemmers, Entzündungen, die jüngst als Vorstufe zu ernsthaften Erkrankungen erkannt wurden, werden auf natürliche Weise kuriert.

Curcuma bei Entzündungen

Die Entzündung an sich ist etwas ganz natürliches und wird vom Körper immer dann ausgelöst, wenn etwas nicht stimmt. Beispielsweise bei einer Verletzung, Zellschäden oder gestörten Stoffwechselvorgängen. Curcuma und andere entzündungshemmende Nahrungs- und Futtermittel (wie Zimt, Pfeffer, Heidelbeeren, Himbeeren, Zwiebeln und Lauch) greifen in einem frühen Stadium in die Entzündung ein und helfen dabei, die Ursache und den Prozess der Entzündung zu heilen. Dafür sind Wirkstoffe wie Polyphenole, Terpene oder Alkaloide verantwortlich. Diese sekundären Pflanzenstoffe sind eigentlich in den Pflanzen, um die Pflanzen vor Einflüssen von Parasiten, Pilzen oder UV-Strahlen zu schützen, können aber bei Lebewesen die gleiche Schutzfunktion ausüben. Die Pflanzenstoffe werden auch als Antioxidantien bezeichnet, die freie Radikale binden können. Freie Radikale sind in eben diesen oben erwähnten kaputten oder entzündeten Zellen und werden durch die Antioxidanzien unschädlich gemacht, indem sie damit verschmelzen und aus dem Organismus ausgeschieden werden. Curcuminoide und andere sekundäre Pflanzenstoffe müssen täglich eine große Zahl von schädlichen Zellbestandteilen neutralisieren, damit eben diese kranken und entarteten Zellen nicht weiter bestehen können. Die Superfood – Antioxidantien binden und neutralisieren den schadhaften Zellmüll. Ist das Gleichgewicht zwischen Antioxidans und freien Radikalen ungleich, also zu viele freie Radikale im Körper, leidet der Organismus unter oxidativem Stress. Dieses Milieu ist prädestiniert für die Entwicklung von Krankheiten. Besteht der oxidative Stress länger, sind ständig Entzündungen im Gange, entstehen daraus chronische und nicht kurierte Entzündungen, die Basis aller Krankheiten. Aber nicht nur Superfoods können dem oxidativen Stress Einhalt gebieten, auch viel Bewegung an der frischen Luft, nur moderate Belastung ohne Überlastung, die Ausschüttung von Glückshormonen und Ruhe helfen dem Organismus sich selbst zu helfen. Oxidativer Stress fördert auch die vorzeitige Alterung des Organismus und schwächt das Immunsystem.

Superfood für die Verdauung, Allergien, Immunsystem, Atemwege und Arthrose

Der ursprünglich klassische Einsatz von Curcuma betraf das Verdauungssystem. Curcuma hat eine anregende Wirkung auf die Verdauung und kurbelt die Produktion von Gallensäften an, so dass gerade auch schwer verdauliche Speisen schneller verdaut werden. Kurkuma ist übrigens von der Kommission E (Teil der Sachverständigenkommission am Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte BfArM), vom HPMC (Herbal Medicinal Product Committee) sowie ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy) für die Anwendung im Bereich Verdauung und leichte Leber- Gallebeschwerden als pflanzliche Arznei anerkannt. Das HMPC hat den Kurkumawurzelstock und auch den javanischen Gelbwurz als traditionelle pflanzliche Arzneimittel (§ 39a Arzneimittelgesetz) eingestuft. Diverse Ergänzungsfuttermittel, die gut für die Leber und Verdauung sein sollen, enthalten Curcuma, meist allerdings nur in geringer Dosierung. Spezialfutter gegen Arthrose enthalten Kurkuma, aber auch bei Haut- und Fellproblemen wird der Nahrung Curcuma zugesetzt. Ein Geheimtipp unter alternativen Tiermedizinern ist aber der Einsatz für das Immunsystem. Abwehrschwache Tiere, die an einer Schwäche ihres Immunsystems leiden und deren Immunregulation nicht mehr ausreichend funktioniert finden in Curcuma sehr gute Unterstützung ihrer Gesundheit und Lebensqualität. Die Regulierung von Entzündungen wirkt sich positiv auf alle möglichen allergischen Erkrankungen aus, nicht nur im Bereich der Haut, sondern auch der Atemwege und des Darms. Hier wird die anti-entzündliche Wirkung des Superfoods durch die anti-allergische Wirkung unterstützt. Darüber hinaus wird Kurkuma auch eine schmerzlindernde Wirkung zugeschrieben, was sich besonders bei der bereits o.g. Arthrose lindernd auswirkt. Arthrosekranke und alte Hunde sollten auf jeden Fall entzündungshemmend ernährt werden bzw. entsprechende Ergänzungsmittel erhalten, denn auch im Alter macht sich jede überflüssige Entzündung schmerzlich bemerkbar.

Konzentrierte Wirkstoffe sind wichtig!

Problematisch in der Gabe und Dosierung von Kurkuma ist allerdings leider die Konzentration an Wirkstoffen in der Wurzel sowie die Aufnahme von Kurkuma im Verdauungstrakt. Ganz euphorisch und Stolz berichtet so mancher Hundebesitzer in der Praxis, dass er dem Hund jeden Tag einen Teelöffel Curcuma Pulver in den Napf gibt. Das ist gut gemeint, aber nicht gut gemacht. Viele Tierbesitzer wollen ihrem Hund etwas Gutes tun und schwören, dass das einfache Verfüttern von Curcuma Pulvern oder Wurzeln ihrem Tier hilft. Leider ist dies kaum mehr als ein Placebo-Effekt, auch bei dem Kochen goldener Paste oder Milch aus dem einfachen Gewürz. Das wirksame Curcumin, das nur zur einem geringen Prozentteil im Kurkuma vorhanden ist, wird leider auch zu einem nur geringen Prozentteil vom Tier aufgenommen. Ohne die Anwesenheit von Fett wird sowieso gar nichts aufgenommen und sofort wieder ausgeschieden. Ein Teelöffel Curcuma Pulver enthält ca. 2 Gramm Curcuma, dies enthält ca. 50 mg Curcumin, bei einer – bereits hoch gegriffenen – natürlichen Resorption von 10% des Stoffes kommen wir leider auf nur 5 mg Curcumin. Das ist keine wirksame Dosis, das Untermischen des Gewürzes unter das Futter oder Kochen der goldenen Paste verschwendet mehr Zeit als das es Nutzen bringt. Auch von Kapseln, die zwar bio sind aber auch nur max. 500 mg Curcuma enthalten, ist keine Wirkung zu erwarten, hier liegt die Aufnahme obiger Rechnung folgend bei gerade mal gut 1 mg Curcumin.

Aufnahmeverstärker für Superfood

Um also Heilwirkung zu erzielen, müssen sinnvolle und konzentrierte Präparate gewählt werden. Auf jeden Fall muss das Extrakt Curcumin enthalten sein, um auf eine Mindestmenge von 60 – 80 mg Curcumin für kleine Tiere zu kommen. Zusätzlich sollte Curcuma enthalten sein, um Resistenzen gegen den einen Wirkstoff zu vermeiden. Auch ein Aufnahmeverstärker wie schwarzer Pfeffer, Ingwer oder Piperin ist ein absolutes Muss. Meist gibt es diese Kombinationen nur als Kapseln oder Tabletten, Tabletten haben meist den Nachteil, dass die Presslinge mit Stärke oder ähnlichem hergestellt sind und daher entweder riesig sind oder wenig Wirkstoff enthalten. Vorsicht ist geboten bei Tieren mit Vorerkrankungen wie Nierensteine, Blasensteine, Diabetes oder Herzerkrankungen. Curcuma wirkt blutverdünnend und sollte auch vor jedem operativen Eingriff abgesetzt werden. Hat das Haustier einen Unfall und eine blutende Wunde oder innere Verletzungen müssen tierärztlich behandelt werden, informieren Sie bitte den Tierarzt über die Gabe jeglicher Futterergänzung, seien es Superfoods wie Curcuma oder „nur“ Ergänzungen wie Algenmehl oder Grünlippmuschel.

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